Mittwoch, 15. August 2012

[ REZENSION ] V.K.Ludewig "Ashby House"

Im Turmzimmer waren schon immer Menschen verschwunden. Daran hatte sich seit der Erbauung von Ashby House im Jahre 1845 nichts geändert, genauer gesagt : seit seiner Möblierung im Spätherbst desselben Jahres. Kaum, dass ein Schrank, ein Stuhl, ein Tisch, ein Bett, ein Spiegel im Raum waren, schien er Menschen und andere Lebewesen zu verschlucken. Gegenstände blieben von diesem Phänomen unbetroffen - es war eine unumstößliche Tatsache, dass das Zimmer nur an Warmblütlern Interesse hatte. Vielleicht waren die Möbel in ihrer Zusammenstellung eine Art Portal ?
(aus dem Prolog, S.7)



V.K. Ludewig
"Ashby House"

Verlag : dtv Verlag
Preis :    € 9,95

Erscheinungsdatum : 01. März 2012




Die weltberühmte Fotografin Lucille Shalott, nach einem schweren Unfall an ihren Rollstuhl gefesselt, zieht mit ihrer Schwester Laura weg von Hollywood in die Einöde Englands und hat das alte Ashby House gekauft. Die beiden Schwestern verbindet vielmehr eine Hassliebe und so ist der Úmgangston ruppig und mit Anschuldigungen versehen, denn Laura soll Schuld an dem Unfall sein. Zusammen mit einem Butler, Steerpike, und einer Köchin ziehen sie sich in dem alten Herrenhaus zurück. Schon bald stößt Laura auf mysteriöse aufzeichnungen der ehemaligen Besitzer aus dem 19. Jahrhundert, seitdem stand das alte Haus leer... und genauso scheint das Haus zu leben zu beginnen... seltsame Geräusche in der Nacht, die Laura ängstigen.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, macht sie sich am nächsten Tag mit Steerpike auf in den bisher noch verschlossen gehaltenen 2. Stock... sie machen wunderschöne, aber auch seltsame Entdeckungen. Auch Lucille, die das ganze über Kamera von unten verfolgen konnte ist fasziniert und es dauert nicht lange, da macht sie sich allein auf dem Weg nach oben und verschwindet dann spurlos... und damit fängt das alte Haus erst richtig an zum Leben zu erwachen und seine Bewohner und Besucher anzugreifen...

Die Idee eines alten, englischen Spukhauses in dem Leute verschwinden ist natürlich nicht neu, umso schwerer ist es natürlich neues und gutes zu schreiben, was gegen bekannten Geschichten bestehen kann.
In Ashby House ist es eine Art Hollywoodgeschichte, in der groteskerweise eine Hollywoodfotografin in einem Spukhaus verschwindet, das einem Hollywoodfilm entsprungen sein kann. Zusammen mit dem Versuch dem ganzen eine Art Realität einzuhauchen, indem man sich auf bekannte und berühmte Stars und Filme bezieht.

Der Schreibstil ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig gewesen, dann gefiel mir aber die Art der Berichterstattung und Vorausdeutungen. Dazu einige bissige Sätze und trockenen, schwarzen Humor, der passend ist für die Schwestern, die in Hassliebe verbunden sind und sich in England befinden.
Das Haus wirkte durch die Erzählweise sehr lebendig ("Dann machte Ashby House ein - wie soll man es anders bezeichnen? - verdauendes Geräusch und begab sich in den Pausenmodus" S.221), was es leicht machte sich ein lebendes Spukhaus vorzustellen.

Die Geschichte ist an sich nicht extrem Horrorlastig und eher seicht und hinterlässt nur eine leichte Gänsehaut, für hartgesottene Horrorfans also nichts als ein laues Lüftchen, für eher zartbeseitete aber wohl genau richtig, wenn man sich ein wenig gruseln will ;) Es hat mir durchaus gefallen, doch stellenweise hab ich mir auch noch ein wenig mehr Elemete gewünscht...

Ein paar Nebenszenen haben mich dann doch gestört, so die Sexszenen, die irgendwie zusammenhangslos plötzlich auftauchen. Und mich störte dann doch die lange Geheimniskrämerei um den Unfall, was ich nicht nachvollziehen konnte.
Das Ende ist dann plötzliche in wenig abrupt und könnte noch besser ausgeführt werden, da hab ich dann den Eindruck gehabt, dass es schnell zuende gebracht ist und der Versuch da war alles irgendwie stimmig zu erzählen, was mit den einzelnen Personen noch passierte.

Insegsamt ein ganz guter Schauerroman, der nicht extrem horrorlastig ist, aber durchaus seine guten Seiten hat und für Unterhaltung sorgt, aber auch so die eine oder andere Schwäche aufweist.




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