Sonntag, 26. August 2012

[ REZENSION ] Martin Millar "Die Elfen von New York"

Dinnie, ein übergewichtiger Menschenfeind, war der schlechteste Geiger von ganz New York. Trotzdem übte er gerade tapfer, als zwei hübsche kleine Feen durch sein Fenster im vierten Stock flatterten und auf seinen Teppich kotzten.
"Entschuld
igung", sagte die eine.
"Ach was", sagte die andere. "Für Menschen riecht Feenkotze bestimmt köstlich."
Zu dem Zeitpunkt war Dinnie aber schon halb die Treppe hinunter und wurde immer noch schneller.
"Zwei Feen sind durch mein Fenster und haben auf meinen Teppich gekotzt!" schrie er, als er unten auf der 4. Straße angekommen war. Er bemerkte gar nicht, welche Wirkung seine Worte auf die Passanten hatten, bis ein paar Häuser weiter die Müllmänner ihre Tonnen abstellten und ihn auslachten.
"Was ist los ?"
"Da oben", schnaufte Dinnie. "Zwei Feen - mit Schottenröcken und Fiedeln und kleinen Schwertern... grünen Schottenröcken"

So beginnt eine nicht ganz alltägliche Geschichte von Feen in der Stadt New York... witzig, extrem verdreht, gleichzeitig stellenweise wirr, aber auch nachdenklich und mitfühlend...


Martin Millar
"Die Elfen von New York"

Verlag:   dtv Verlag
Preis:      € 9,95

Erscheinungstermin: 01. Juni 2012
                                    (Neuauflage)




Dinnie bekommt eines Tages urplötzlich Besuch von zwei betrunkenen schottischen Feen, angelockt durch sein wohl schlechtestes Geigenspiel, dass die beiden je gehört haben... Den beide sind - wenn auch sie sich gegenseitig ständig zanken - die größten Fiedlerinnen unter den Feen, dabei eine Feen-Fiedler-Punkband zu gründen...
Doch leider waren sie nun nicht nur dank einer Fliegenpilz- und Whiskeyorgie überaus betrunken, nein sie befinden sich auch noch auf der Flucht vor den schottischen Feen, da die beiden was extrem dummes angestellt haben, was aber die Fehde der Clans nach sich zieht... und so landeten sie nichts ahnend in einer Maschine nach New York... hier sitzen sie nun fest...
Die beiden verzanken sich so richtig... wer hätte es auch anders geahnt... und jeder sucht sich seinen "Menschenfreund" und geraten immer wieder in abwegige Situationen und richten unbewusste Dramen und bis hin zu Bandenkriegen an...
Dabei wollen sie doch nur helfen ^^

Martin Millar hat hier eine etwas andere Geschichte über Feen geschaffen, die einen einerseits zum lachen bringt, wirr den Kopf schütteln lässt, Szenen die einen an einen volltrunkenen Rausch selber erinnern und dann gleichzeitig berühren und nachdenklich machen.
Ein chaotischer Cocktail, der das Buch zu etwas besonderem macht.
Hinzu eine Priese schottische Fiedlermusik und die Klänge eines Dudelsacks, genauso wie Punk und Rock'n'Roll... das ist Schottland in New York ^^

Die beiden kleinen chaotischen Elfen sind dabei genauso liebevoll und amüsant gestaltet, wie ihre menschlichen Freunde. Kerry ist nicht nur liebevoll, sondern auch aufgrund ihrer Krankheit ein starker Charakter, Dinnie kann trotz seiner Ecken und Kanten sehr charmant sein...
Und mittendrin die Elfen, die alles nur gut meinen und doch das höchstmögliche Chaos anrichten.



Doch der Autor regt auch zum Nachdenken über die Gesellschaft an... sei es nur die Art Geld zu verdienen und seine Wohnung zu verlieren, oder gar eine schwere Krankheit zu meistern und bis hin zu Obdachlosen die auf der Straße sterben und nicht beachtet werden, da es Alltag ist.
Und die Kritik wie einfach es doch ist, Bandenkriege zu entfesseln oder einen Krieg entstehen zu lassen, aus mehr oder weniger Nichtigkeiten...

Dazwischen immer wieder Szenen einer verwirrten und unter Alkohol einfluss stehenden Pennerin, die den Leser ebenso verwirren, doch dadurch die Welt aus ihren Augen wahrnehmen lassen.

Hinzu noch eine Prise Fantasy und der Glaube an Feen... entstanden in Irland und Schottland, erzählt von den Feen selber, wie sie da geliebt werden und die Menschen froh sind Feen sehen zu können - denn die Gabe haben die wenigsten - und sich geehrt fühlen und dank Glaube so viel anderes möglich ist...

EIn starker Roman, der trotz trauriger Momente auch urkomische Elemente in sich trägt, dass man abwechselnd berührt ist und dann wieder laut loslachen muss. Eine wunderbare Mischung.

Dies ist ein anderer Roman, der aus der Masse heraussticht und durchaus einen Blick wert ist :) Lasst euch nicht durch die verwirrenden Parts abschrecken, sondern lest dieses Buch einfach und denkt dann darüber nach !




 

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