Donnerstag, 3. Mai 2012

[ REZENSION ] Simone Felice "Black Jesus"

"Nein, ich glaube die Plastikbombe hat meinem Kopf einen derartigen Schlag verpasst, dass ich schon eine Erscheinung hatte. Vielleicht war's ja der Schutzengel, den ich in diesem Moment gern an meiner Seite gehabt hätte"
"Vielleicht war's ja wirklich einer."
"Ein Engel ?"
"Warum nicht. Es gibt Selstameres zwischen Himmel und Erde"
(...) "Es gibt keine Engel im Irak"
                                                                             [ Black Jesus, S. 190 ]

Eine herzergreifende und unglaubliche ehrlich und direkte Geschichte um einen im Irak verwundeten und erblindeten Soldaten und eine Tänzerin, deren Träume und Leben zerstört wurden, die aber einander finden und versuchen ins Leben zurückzufinden.
Grandios !

Simone Felice
"Black Jesus"

Preis : € 14,99
Verlag : Heyne Hardcore

Erscheinungsdatum : 26. März 2012



Lionell White ist eine Marine, ein im Irak verwundeter Soldat, der nach Hause zurückgeschickt wird. Seine Kameraden gaben ihm den Spitznamen "Black Jesus", seitdem will er so genannt werden. Er ist blind, weil ihm im EInsatz eine Bombe traf und die Splitter sein Augenlicht zerstörten. Seine Kameraden sind tot. Und er hat überlebt und kämpft Tag und Nacht gegen die Erinnerungen an. Eindrücke, die sich ihm in die Netzhaut gebrannt haben. Er ist blind, aber er sieht noch immer die Schrecken.
Doch was er auch glaubt gesehen zu haben, bevor er sein Augenlicht verlor, ist eine Erscheinung einer Tänzerin. Daran klammert er sich fest.

Desiree ist eine Stripperin, nennt sich im Lokal Desire, aber sobald sie von ihrem Freund geschlagen und das Bein zertrümmert bekam, weil sie an einer der besten Ballettschulen des Landes vortanzen konnte, ist sie auf der Flucht und nennt sich Gloria. Ihr Leben ist ruiniert und sie ist gehetzt auf der Flucht, keine Ahnung wohin, nur weg von L.A. Aus Kindheitstagen hat sie einen Wunsch in sich, ein Freizeitpark, da will sie hin... doch den gibt es nicht mehr, dafür trifft sie auf Black Jesus... und sie ist die Tänzerin nach der er sucht.
Gemeinsam versuchen sie sich zu helfen in einer Welt, die nicht mehr ihre ist. In einer Welt aus der sie gestoßen wurden, einander Hilfe gebend, stützend.

"Komm her", sagt sie, zieht ihn an sich heran und schlingt ihre Arme um ihn, als sei er ein unterkühltes Kind. Ein Kind, das zittert. Ein Kind, das genau weiß, wie man tötet. Das nicht mal der schlechteste Schütze war. Und das in der Finsternis danach eine Millionen Tränen in sich hineinschluckt.                        [ S. 194 ]


Der Songwriter und Sänger Simone Felice hat mit diesem Debütroman eine grandiose Geschichte niedergeschrieben, die nicht nur ergreifend ist, sondern auch zum nachdenken anregt. Nachdenken über Schicksale und die Gesellschaft. Aber auch Hoffnung gibt.
Eine Liebesgeschichte zweier verlorener Seelen. Wobei dies nicht im Mittelpunkt steht, sondern im Hintergrund gerückt selbstverständlich entsteht, aber dennoch stimmig ist. Denn im Mittelpunkt stehen die Schicksale und die gegenseitige Unterstützung, in einer Welt in der du dann plötzlich allein gelassen wurdest und nicht mehr dazugehörst.

MIt gefällt der Erzählstil von Simone Felice. Ein Künstler der Worte, da kommt selbst wenn er einen Roman schreibt deutlich hervor, dass er sonst auch Songwriter ist.
Hart aber ehrlich lässt er uns so einen Blick in die Welt von Black Jesus werfen und lässt einen nachdenklich und ergriffen zurück.

EIn grandioser Roman und ich hoffe, dass noch mehr von Simone Felice folgen werden !
Absolute Leseempfehlung !




1 Kommentar:

  1. Danke für die Rezension. Das Buch hört sich interessant an!
    LG
    Yvonne

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