Freitag, 11. Mai 2012

[ REZENSION ] Andrea Bajani "Liebe und andere Versprechen"

Uff... ich gesteh es ist schwer die Gedanken und Gefühle zu diesem Buch zusammenzufassen und auszudrücken. Das Buch hat mich von der ersten Seite gefangen genommen. Nicht nur die Geschichte an sich, sondern auch der Schreibstil des Autors nehmen einen ein... und am Ende bleibt man ein wenig melancholisch zurück, hängt den Gedanken nach.

Hinter diesem Buch verbirgt sich kein Liebesroman, wie der Titel vermuten war, sondern ein anspruchsvoller Roman über Verlust eines Menschen.
Andrea Bajani
"Liebe und andere Versprechen"

Verlag : dtv
Preis : € 14,90

Erscheinungsdatum : April 2012


Der Inhalt des Buches ist scheinbar einfach zusammenzufassen, dahinter verbergen sich aber auch viele Gefühle und Botschaften.

Die Geschichte spielt in Italien. Pietro ist gerade von seiner Freundin Sara verlassen worden. Nach langer Zeit des Schmerzes eines unerfüllten Kinderwunsches und des Streites. Als er nach Hause kommt findet er auf dem Tisch eine Nachricht von Sara "Ruf deine Mutter an. Mario ist tot"... Mario ? steht die Frage im Raum, ein verdrängter Name mit verdrängten Erinnerungen die hervorspulen. Mario ist sein Großvater, den er kaum gesehen hat, die Beziehung zu ihm so widersprüchlich wie die seiner Mutter zu ihm. Ständig verschwiegen, doch auch mit ein paar schönen Momenten, die ebenso abrupt wieder abbrechen, wenn Marios Erinnerung hochkamen und er nicht mehr klar kam. Mario ist ein Kriegsveteran, kämpfte im 2. Weltkrieg in Russland und Lebzeiten verfolgten ihn die Erinnerungen und er brauchte Betreuung in einem Heim.
Nun ist Mario tot, vieles ungesagt und ungetan. Sowohl Pietro als auch seine Mutter verarbeiten dies auf ihre eigene Weise, dennoch gemeinsam. In ihrer alten Wohnung lernt Pietro Olmo kennen, der alte Mann ist ebenfalls voll mit seinen Erinnerungen an den Krieg in Russland. Pietro nimmt sich seiner an, wie er es eigentlich für seinen Großvater hätte tun wollen... seine Mutter umsorgt ihn auch und schließlich reist er sogar nach Russland...
Und Sara taucht auch wieder in seinem Leben auf, sie ist schwanger, doch nicht von ihm, die Frage der Schuld und ein stiller Vorwurf, dass es nicht an ihr lag nicht schwanger werden zu können, steht zwischen den beiden...

Ein höchst emotionaler Roman, den man sicherlich auch in einer bestimmten Stimmung am besten Lesen sollte.
Mir gefällt vorallem die bildhafte und unvergleichliche Schreibweise des Autors. Schafft er es doch aus einfachen Sätzen ein ganzes Bildfeuerwerk zu schaffen. Der Roman kommt somit auch komplett ohne direkte Rede aus, es stört gar nicht, im Gegenteil man taucht komplett ein in die Gefühlwelten der Menschen ohne sich von Worten ablenken zu lassen. Kommt es doch nicht ohne Rede aus, dann ist es in eine indirekte Rede formuliert.

Ab und zu mal überlegt man in welcher Zeit man sich nun eigentlich v´befindet. Gegenwart und Vergangenheit gehen fließend ineinander über. Die verschiedenen Gefühlswelten vereinen sich in den einzelnen Situationen. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen, oder auch nicht, sondern sich diesmal zu verbessern...

Ein wunderbarer Roman über Verlust, kraft und Liebe, der einem melancholisch zurücklässt und zum Nachdenken anregt.

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